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	<title>Ein Gruppenblog</title>
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	<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 22:06:58 +0000</pubDate>
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		<title>Survival of the newest? Sind wissenschaftliche Mailinglists vom Aussterben bedroht?</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 17:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anita Langenhorst</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Formatentwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit Montag ist sie online - „sciencefeed”, eine neue Microblogging-Plattform, die speziell für Wissenschaftler gedacht ist und neue Wege der digitalen Wissenschaftskommunikation ermöglichen soll. „Share and discuss your opinions about research, scientific conferences, and science headlines” heißt es auf der sciencefeed-Website – das klingt im ersten Moment nicht sonderlich neu. Im Gegenteil – ganz ähnliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-weight: normal; font-size: 13px; ">Seit Montag ist sie online - „<a href="http://www.sciencefeed.com/">sciencefeed</a>”, eine neue Microblogging-Plattform, die speziell für Wissenschaftler gedacht ist und neue Wege der digitalen Wissenschaftskommunikation ermöglichen soll. „Share and discuss your opinions about research, scientific conferences, and science headlines” heißt es auf der sciencefeed-Website – das klingt im ersten Moment nicht sonderlich neu. Im Gegenteil – ganz ähnliche Formulierungen finden wir beispielsweise auch in den Beschreibungen wissenschaftlicher Mailinglists, die teilweise schon seit Anfang der 90er Jahre aktiv sind. Zugegeben – die Rahmenbedingungen sind etwas anders, aber beim Nutzungsprofil scheint es Überschneidungen zu geben. Eine gute Gelegenheit, um zu fragen: Was geschieht denn eigentlich wenn zwei oder mehrere Formate Ähnliches zu leisten versuchen? Welche Auswirkungen haben solche Konkurrenzfälle auf die „älteren” Formaten, die bisher für diese Zwecke genutzt wurden? Werden sie einfach von den neueren und innovativeren Formate abgelöst und sterben aus? </span></p>
<p>Für die Formate, die wie z.B. wissenschaftliche Mailinglists noch aus der „Prä-Web2.0-Zeit” stammen, scheint die Antwort leicht zu sein. Schon seit langem werden sie von Einigen zur aussterbenden Spezies gezählt. Bereits im September 2007 hat beispielsweise der Geschichts-Professor Mills Kelly in einem Blog-Beitrag mit dem Titel „<a href="http://edwired.org/?p=204">The end of H-Net?</a>” das baldige Aussterben von Mailinglists proklamiert. Nach einem Blick auf die Zahlen der Mails, die über <a href="http://www.h-net.org/">H-Net</a> (einem Netzwerk zur Fachkommunikation in den Geistes- und Sozialwissenschaften) verschickt wurden, schreibt er:</p>
<blockquote><p>But the objective measure of traffic–at least in this small snapshot–seems to indicate that H-Net has ridden the email horse a little too long. Given the rapid growth in history blogs as a way for those in our discipline to communicate with one another, I suspect that more an more scholars and teachers are turning away from email and to the newer forms of scholarly communication.</p></blockquote>
<p>Kelly geht davon aus, dass die Nutzung von Mailinglists stark zurückgeht, da die Wissenschaftler zur internen Kommunikation zunehmend auf neuere Web2.0-Formate umsteigen. Diese Annahme scheint auf der Hypothese zu beruhen, dass wenn zwei oder mehrere Formate miteinander konkurrieren, sich das neuere bzw. innovativere Format durchsetzt. In gewisser Weise liegt er mit seiner Einschätzung sicherlich richtig. Beispiele, bei denen wir einen Nutzungsrückgang beobachten können, der möglicherweise auf das Hinzutreten eines neuen Formats zurückzuführen ist, gibt es zweifellos. Trotzdem – ganz so einfach wie in Kellys Hypothese scheint es bei genauerer Betrachtung doch nicht zu sein. Denn es gibt durchaus auch Beispiele, in denen die Mailinglists alles andere als auszusterben scheinen. Stattdessen können wir dort andere interessante Entwicklungen beobachten. Ein schönes Beispiel dafür ist die Entwicklung der Linguist List-Nutzung:</p>
<p>Die <a href="http://linguistlist.org/">Linguist List</a> – die wohl bekannteste und erfolgreichste linguistische Mailinglist – ist im Dezember 1990 gegründet worden. Auch wenn der Untertitel, den die Liste seit der Gründung trägt – „The LINGUIST discussion list” –, lediglich auf einen Teilbereich des Nutzungsspektrums hinweist, hatten die Listengründer doch schon von Anfang an eine Doppelnutzung im Visier. So schreibt einer der Listen-Gründer als Reaktion auf die Anfrage einiger frühen Listenmitglieder, wofür die Liste denn eigentlich gut sein solle, am 20. Dezember 1990 in einem Posting: „This list is the appropriate place for job and conference announcements as well as for ongoing discussions about the discipline.” Gerade in den Anfangsjahren war diese Doppelfunktion der Liste auch tatsächlich stark ausgeprägt und das Verhältnis von Diskussions- und Servicebeiträgen einigermaßen ausgewogen. Im Jahr 1991 sind beispielsweise neben 1861 Diskussionsbeiträge auch 1170 Servicebeiträge über die Linguist List verschickt worden. Ein paar Jahre später sieht das Bild allerdings schon ganz anders aus: Die Anzahl der Diskussionsbeiträge ist von Jahr zu Jahr gesunken – 2008 sind es sogar nur noch 21! (Würde man die Entwicklung der Diskussionsbeiträge isoliert betrachten, wäre man zweifellos dazu geneigt, Kellys Hypothese zu bestätigen!) Die Gesamtzahl der Beiträge ist aber dagegen konstant gestiegen. Anstelle von Diskussionsbeiträgen werden jetzt fast nur Beiträge mit Service-Charakter über die Liste verschickt, also Stellenausschreibungen, Tagungsankündigungen, Call for Papers, Rezensionen und Ähnliches. Es hat sich also in diesem Fall ein Funktionswandel vollzogen: Die Liste hat sich von einer Diskussions- und Serviceliste zur fast reinen Serviceliste entwickelt. (Im Gegensatz dazu gibt es aber auch durchaus noch Listen, in denen sehr lebhafte Diskussionen geführt werden und über die dagegen nur ganz selten Service-Beiträge verschickt werden, wie z.B. die Luhmann-Liste, Shakesper oder die Argthry-List.)</p>
<p>Neben Nutzungsrückgang und dem gerade beschriebenen Funktionswandel sind aber derzeit auch noch andere Entwicklungstendenzen im Bereich der digitalen Wissenschaftskommunikation zu beobachten, von denen ich hier ein paar nur kurz nennen möchte:</p>
<ol>
<li>Man kann u.a. Veränderungen im Grad der Interaktivität beobachten, die zum Teil durch das Hinzufügen neuer Funktionen bedingt sind (wie etwa in Blogs, in denen die Kommentarfunktion erweitert wird).</li>
<li>Teilweise übernehmen die Nutzer eines Formates auch kommunikative Strategien und Nutzungseigenschaften aus anderen Formaten. Die Richtung ist dabei nicht immer dieselbe - es werden sowohl Nutzungseigenschaften aus älteren Formaten in neuere integriert als auch umgekehrt. (In Blogs bzw. den Kommentar-Threads entwickeln sich beispielsweise manchmal Diskussionsverläufe, die denen der Mailinglists sehr ähneln. Auch in Mailinglists stößt man zum Teil auf Beiträge, die gut in einen Blog &#8220;passen&#8221; würden.)</li>
<li>Wenn in einer Fachgemeinschaft mehrere Formate gleichzeitig genutzt werden, kann man teilweise beobachten, dass dies zu einer funktional differenzierten Nutzung der verschiedenen Formate führt. (Eine Fachgemeinschaft führt ihre Diskussionen beispielsweise im Blog und nutzt die Mailinglist daher ausschließlich zur schnellen Information über neue Publikationen etc.)</li>
<li>Eine weitere Entwicklungslinie ist die gezielte Verknüpfung von Formaten, bei denen sich die einzelnen Formate gegenseitig funktional ergänzen. (Dabei wird dann beispielsweise ein Format zur Diskussion und &#8220;Hervorbringung neuer Diskussionsthemen&#8221; verwendet, das andere dagegen zum Zweck der Archivierung und Ergebnisdokumentation, wie ich es bereits in einem früheren <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/interactive-science/teilprojekt-iv-wissenschaftliche-information-kritik-und-kontroverse-in-digitalen-medien/2009-10-12/ein-format-kommt-selten-allein-formatverkn-pfungen-in-der-digitalen-wissenschaftskommunikation"><span>Blog-Beitrag</span></a> beschrieben habe).</li>
<li>In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Entwicklung ganz neuer Formate zu nennen, die dann die Nutzungspotenziale der verschiedenen Ausgangsformate in sich vereinigen.</li>
</ol>
<p>(In Kürze erscheint ein Aufsatz zu diesem Thema, den ich gemeinsam mit Gerd Fritz verfasst habe. Darin erfolgt eine ausführlichere Darstellung dieser verschiedenen Entwicklungslinien und entsprechender Beispiele.)</p>
<p>Ob es sich bei wissenschaftlichen Mailinglists tatsächlich um eine aussterbende Spezies handelt und sich stattdessen neue, innovativere Formate wie Sciencefeed in der Wissenschaftskommunikation etablieren können, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Gründe, die zum Aussterben führen oder das Überleben sichern, wesentlich komplexer sind als sie im Fall der „survival of the newest”-Hypothese zu sein scheinen&#8230;</p>
<p><strong>Anmerkung:</strong></p>
<p>Der Blog-Beitrag basiert im Wesentlichen auf einem Vortrag mit dem Titel „Zur Entwicklung von Formaten und Kommunikationsformen in der digitalen Wissenschaftskommunikation – eine evolutionäre Betrachtungsweise”, den ich im September 2009 gemeinsam mit Gerd Fritz bei der ersten Meilensteintagung des Projektverbundes „Interactive Science” zum Thema „Kommunikationsformate und ihre Dynamik in der digitalen Wissenschaftskommunikation” gehalten habe. Sobald es eine publizierte Version des Vortrags gibt, werden wir selbstverständlich hier im Blog darauf hinweisen.</p>
<p style="text-align: left;"><span><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong></span></p>
<p style="text-align: left;"><span><strong><span style="font-weight: normal;">Bader, Anita: Survival of the newest? Sind wissenschaftliche Mailinglists vom Aussterben bedroht? In: TP IV-Blog. Gepostet am: 19.02.2010. URL: http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2010/02/<span id="editable-post-name" title="Click to edit this part of the permalink">survival-of-the-newest</span>/.</span></strong></span></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Kontroversenlust und Kontroversenscheu in der digitalen Wissenschaftskommunikation</title>
		<link>http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/06/kontroversen/</link>
		<comments>http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/06/kontroversen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 13:44:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerd Fritz</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Kontroversen]]></category>

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		<description><![CDATA[Marcelo Dascal, ein hochkarätiger Wissenschaftstheoretiker, schrieb kürzlich: „Der kooperative Charakter der kollektiven Wissenskonstruktion wird oft betont. Aber am wichtigsten, besonders für die Kooperation selbst, ist die kritische Auseinandersetzung über Aussichten, Projekte, Vorgehen, Ziele und Theorien zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlergruppen. […] Kritik und Auseinandersetzung [sind] der Motor des Fortschritts […].“ Man kann hinzufügen, dass für die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marcelo Dascal, ein hochkarätiger Wissenschaftstheoretiker, schrieb kürzlich: „Der kooperative Charakter der kollektiven Wissenskonstruktion wird oft betont. Aber am wichtigsten, besonders für die Kooperation selbst, ist die kritische Auseinandersetzung über Aussichten, Projekte, Vorgehen, Ziele und Theorien zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlergruppen. […] Kritik und Auseinandersetzung [sind] der Motor des Fortschritts […].“ Man kann hinzufügen, dass für die Novizen einer Wissenschaft die Beobachtung von Kontroversen zu den lehrreichsten Erfahrungen überhaupt gehört. Wenig später beschrieb der Literaturwissenschaftler Carlos Spoerhase als ein Beispiel für „Nicht-Kontroversen“ den gegenwärtigen Stand der Literaturtheorie aus seiner Sicht: „Ist die sogenannte Methodenvielfalt als eine Relation der Konkurrenz, der Komplementarität oder des ungeordneten Nebeneinanders zu rekonstruieren? Der Dissens, wie Literaturwissenschaft jeweils zu betreiben sei, führt häufig nicht zu einer Konfrontation; vielmehr wird der Konflikt zwischen divergierenden literaturtheoretischen Konzeptionen in eine grundlagentheoretische Gleichgültigkeit überführt.“ <span id="more-99"></span>Wenn Dascals Einschätzung der Kritik und der Kontroverse als Motor des wissenschaftlichen Fortschritts zutreffend ist und wenn Spoerhases Diagnose von Gleichgültigkeit statt Kritik ebenfalls zutrifft, dann muss man in dem genannten Arbeitsbereich eine gewisse theoretische Motorlosigkeit befürchten. Auch für andere Arbeitsbereiche scheint diese Diagnose zu gelten. So schrieb Hans-Jürgen Bachorski (Universität Potsdam) schon vor gut 10 Jahren in der mediävistischen Mailinglist der Universität Bayreuth, dass er im Bereich der Mediävistik „die lust an der kontroverse, die bereitschaft zu streiten“ vermisse. „Gibt es in der mediaevistik kein thema […] von interesse, über das […] grundlegende kontroversen ausbrechen könnten? Oder handelt es sich nur um eine allgemeine scheu vor kontroversen? Aber wenn schon die alte, etablierte generation zu lasch ist, sich ernsthaft zu streiten, warum tun es dann nicht wenigstens diejenigen, die doch einen ruf erst zu erwerben haben (was durch frommes nachbeten der worte der väter gewiss nicht gelingen wird)? Merkwürdig, merkwürdig.“<br />
     In den digitalen Wissenschaftsmedien stellt sich die Frage, wie man es mit den Kontroversen hält, neu und verschärft. Hier gibt es ja nun die Möglichkeit, besonders schnell, relativ informell und mit weiter Verbreitung zu theoretischen Auffassungen und wissenschaftlichen Arbeitsergebnissen Stellung zu nehmen und Diskussionen zu führen. Für Kontroversen ist das Potenzial der neuen Kommunikationsformate (Mailinglists, Blogs, Online-Rezensionsorgane, Open Access Peer Review) beachtlich. Aber wie wird dieses Potenzial tatsächlich für die wissenschaftliche Auseinandersetzung genutzt?  Ein erster Rundblick lässt erkennen, dass es international insbesondere die Online-Rezensionen sind, die in verschiedenen Formaten zu schönen, lehrreichen Kontroversen führen. Das gilt für so verschiedenartige Formate wie die <a href="http://www.linguistlist.org/">Linguist List</a>, die <a href="http://www.ibiblio.org/bgreek/">B-Greek Discussion List</a> (zum Bibelgriechischen), den „<a href="http://girlscholar.blogspot.com/2009/03/should-politics-be-historical-should.html">History Matters</a>“-Blog-Roundtable oder das Rezensionsforum „<a href="http://www.literaturkritik.de/">Literaturkritik.de</a>“. Auch in Open-Access-Peer-Review-Zeitschriften wie in „<a href="http://www.atmospheric-chemistry-and-physics.net/">Atmospheric Chemistry and Physics</a>“ gibt es bemerkenswerte Kontroversen (vgl. dort die „most commented papers“). Wenn wir den weiteren Bereich des Rezensionswesens verlassen, scheint sich die Kontroversenfreude besonders auf solche thematischen Schwerpunkte zu konzentrieren, die mit allgemeineren politischen und gesellschaftlichen Diskussionen zusammenhängen, wie etwa das Thema der Klimaentwicklung auf Blogs von Physikern und Meteorologen oder die Frage des „Intelligent Design“ bei den Biologen.</p>
<p>Was die Sprach-, Text- und Kulturwissenschaften in Deutschland angeht, so scheint eine digitale Kontroversenkultur noch nicht so recht entwickelt zu sein, was sicherlich nicht daran liegt, dass es keine divergierenden Auffassungen gibt. Aber man scheint die Divergenzen lieber in den Fußnoten von Büchern zu bearbeiten als auf dem offenen Marktplatz. Ansätze zu einer Kontroversenpraxis gibt es etwa in der Luhmann-Liste oder auch bei den Historikern, z.B. im Diskussionsforum  von „<a href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/">H-Soz-u-Kult</a>“ oder auch in der Möglichkeit zu Repliken in „<a href="http://www.sehepunkte.de/">Sehepunkte</a>“. Aber insgesamt sieht es eher traurig aus.<br />
     WENN dieser Befund stimmt, dann könnte man natürlich nach den Gründen fragen, warum die neuen digitalen Medien in der gegenwärtigen Gelehrtenrepublik (noch) nicht dieselbe Wirkung entfaltet haben wie die neu erfundenen wissenschaftlichen Zeitschriften im 17. und frühen 18. Jahrhundert, die geradezu eine Flut wissenschaftlicher Auseinandersetzungen auslösten. Könnte Folgendes der Fall sein und, falls das zutrifft, sind diese Sachverhalte Gründe für Kontroversen-Abstinenz in unserer digitalen Wissenschaftskommunikation?</p>
<ol>
<li>Es gibt in den einzelnen Fächern noch keine oder zu wenige geeignete Exemplare der passenden Formate (Mailinglists, Blogs) für die Entwicklung einer lebhaften digitalen Diskussionspraxis. (Das könnte man ändern.)</li>
<li>In der gegenwärtigen Situation der genannten Wissenschaften wird das geduldige Sammeln und Auswerten von Daten (Korpora etc.) als hochrangiger eingeschätzt als die Klärung von Theorie- und Methodenkonflikten. (Man vergleiche im Bereich der Sprachwissenschaft die Auffassungen mancher Junggrammatiker vor ca. 120 Jahren.)</li>
<li>Die Verletzungsgefahr ist bei Kontroversen zu groß, so dass das Risiko von Nebenwirkungen (z.B. des Reputationsverlusts und der Gegnerschaft von „wichtigen“ Leuten) größer ist als der Nutzen einer theoretischen Klärung und das Erzielen von Aufmerksamkeit in der Community.</li>
<li>Kollaborative Leistungen, zu denen die Teilnahme an einer Kontroverse ja gehört, werden im Belohnungssystem dieser Wissenschaftszweige im Vergleich zur Einzelleistung schlecht honoriert.</li>
<li>Das Zeitbudget von Wissenschaftlern ist so ausgereizt, dass für „Extras“ wie Kontroversen keine Zeit bleibt. (Nach Dascals Auffassung sind Kontroversen aber keine „Extras“.)</li>
</ol>
<p>Oder gibt es andere Gründe für die mangelnde Kontroversenlust – und sollte man an dieser Situation etwas ändern? Die Formate für eine lebendige digitale Kontroversenpraxis sind jedenfalls im Prinzip verfügbar.</p>
<p>(Sie können den Beitrag auch als PDF-Version abrufen: <a href="http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/wp-content/uploads/2009/06/fritz_2009_kontroversen.pdf"><img class="alignnone size-full wp-image-53" title="pdf" src="http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/wp-content/uploads/2009/03/pdf.png" alt="pdf" width="16" height="16" /></a>)</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong><br />
<strong><span style="font-weight: normal;">Fritz, Gerd: Kontroversenlust und Kontroversenscheu in der digitalen Wissenschaftskommunikation. In: TP IV-Blog. Gepostet am: 21.06.2009. URL: http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/06/kontroversen/.</span></strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ein Format kommt selten allein – Formatverknüpfungen in der digitalen Wissenschaftskommunikation</title>
		<link>http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/05/formate/</link>
		<comments>http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/05/formate/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 13 May 2009 10:46:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anita Langenhorst</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Formatverknüpfung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Format kommt selten allein: In wissenschaftlichen Mailinglisten-Diskussionen verweisen Beteiligte auf Beiträge in ihrem eigenen Blog, in Blogs tauchen Hinweise auf Listen-Diskussionen auf, Wikis werden mit Blogs verknüpft und so weiter. Die Infrastruktur des Internets lädt geradezu dazu ein, einzelne Beiträge über Hyperlinks miteinander zu verbinden und unterschiedliche Kommunikationsformate zu verknüpfen. Wenn man genauer hinschaut, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Format kommt selten allein: In wissenschaftlichen Mailinglisten-Diskussionen verweisen Beteiligte auf Beiträge in ihrem eigenen Blog, in Blogs tauchen Hinweise auf Listen-Diskussionen auf, Wikis werden mit Blogs verknüpft und so weiter. Die Infrastruktur des Internets lädt geradezu dazu ein, einzelne Beiträge über Hyperlinks miteinander zu verbinden und unterschiedliche Kommunikationsformate zu verknüpfen. Wenn man genauer hinschaut, bemerkt man nun, dass es nicht nur ganz verschiedene Formen solcher Verknüpfungen gibt, sondern dass diese Verknüpfungen auch ganz spezifische Funktionen aufweisen, die das Nutzungspotenzial des einzelnen Formats erweitern. Anhand von konkreten Threadverläufen untersuchen wir, wie und warum solche Formatverknüpfungen zustande kommen. Hier sollen exemplarisch ein paar Beispiele skizziert werden. <span id="more-70"></span><br />
<strong><br />
<em>Ein Text – mehrere Formate – viel Aufmerksamkeit</em></strong></p>
<p>Gründe für die gleichzeitige Verwendung mehrerer Formate kann es viele geben. Ein ganz offensichtlicher Grund dafür ist beispielsweise die gezielte Steigerung von Aufmerksamkeit. Wissenschaftler wollen, dass ihre Texte gelesen werden – egal, ob sie nun in  Buchform, in einem wissenschaftlichen Journal oder eben in einem eigenen Blog publiziert wurden. Der Unterschied ist allerdings, dass sie bei Texten im eigenen Blog die „PR-Arbeit“ selbst übernehmen müssen. So kann man inzwischen immer häufiger beobachten, dass Blog-Betreiber ihre Texte auf mehreren Wegen „bewerben“. Sie weisen ihre Kollegen z.B. in Mailinglisten auf das Erscheinen eines neuen Blog-Beitrags hin, posten einen Link zu ihrem Blog in einem Kommentarbeitrag zu einem themenverwandten  Blog-Beitrag eines Kollegen oder nutzen teilweise auch Social-Network-Dienste wie z.B. „Twitter“. Letzteres können wir seit einigen Monaten unter anderem beim linguistischen Gruppenblog „<a href="http://languagelog.ldc.upenn.edu/nll/">Language Log</a>“ beobachten. Die Tweets (wie die Twitter-Nachrichten, die maximal 140 Zeichen lang sein dürfen, genannt werden), die Mark Lieberman und Co. verschicken (<a href="http://twitter.com/languagelog">http://twitter.com/languagelog</a>), enthalten dann jeweils die ersten ein bis anderthalb Zeilen ihres aktuellen Blog-Beitrags und einen Link, der den Tweet-Leser sofort zum Language-Log führt. Sie nutzen das zusätzliche Format in diesem Fall also im Prinzip nicht anders als einen RSS-Feed. </p>
<p>Neben der gezielten Aufmerksamkeitssteigerung gibt es aber auch noch viele andere Funktionen, die wir bei der Verknüpfung verschiedener Formate beobachten können und um die es uns hier im Wesentlichen gehen soll. Solche Verknüpfungen können auf der einen Seite ganz spontan zustande gekommen, sie können andererseits aber auch das Resultat längerer Planungen sein. </p>
<p><strong><em>Formatverknüpfungen – ganz spontan&#8230;</em></strong></p>
<p>Interessant sind zum Beispiel solche Fälle, in denen sich ein einziger Kommunikations-Thread ganz spontan über verschiedene Formate hinweg entwickelt und erkennbar wird, dass die einzelnen Formate dabei ganz unterschiedliche Funktionen übernehmen, so wie wir es u.a. in einer Diskussion der B-Greek-Mailingliste (http://www.ibiblio.org/bgreek/) verfolgen können. Dort haben wir gleich mehrfache Verknüpfungen mit verschiedenen Blogs vorliegen. Die Hauptdiskussion – eine Diskussion, die durch eine umstrittene wissenschaftliche Neuerscheinung angestoßen wird – findet zwar in der Mailingliste statt, sie wird aber durch verschiedene Blog-Beiträge auf unterschiedliche Weise ergänzt. Innerhalb der Liste verweisen beispielsweise einzelne Listenmitglieder auf ihren Blog, auf dem sie ausführlichere Erklärungen zu einzelnen Listenfragen, Zusatzinformationen oder Rezensionen zum Buch zur Verfügung stellen. Teilweise werden Beiträge, die nicht so recht in den Rahmen der Liste passen, regelrecht aus der Mailinglisten-Diskussion ausgelagert. Einer der Haupt-Teilnehmer, Michael Aubrey, weicht beispielsweise auf seinen Blog aus, um dort das, was er in den relativ kurzen Mail-Postings nicht so recht erklären konnte, etwas ausführlicher darzustellen: „I caused a bit of confusion over at the B-Greek list a couple weeks ago trying to explain Proximity, Tense and Temporal Reference. My goal had been simply to show how similar the views were, but I only ended up making things worse. But I want to rectify that. I’ve constructed a few charts, which I hope will help.“ (Michael Aubrey: <a href="http://evepheso.wordpress.com/2008/11/15/tense-and-proximity-another-attempt-at-explanation/">Tense and Proximity – Another Attempt at Explanation</a>. In: „En Epheso“. 15.11.2008) Der Blog bietet dann sozusagen den Hintergrund für die Mailinglisten-Diskussion. Aber auch den umgekehrten Fall erleben wir in diesem Thread. Einer der Diskussionsteilnehmer schreibt, als die Diskussion schon recht fortgeschritten ist, eine Rezension zu der umstrittenen Neuerscheinung, die er anschließend in einem Blog veröffentlicht. In der Rezension fasst er – zum Teil Wort für Wort – seine Argumente aus der Listendiskussion noch einmal zusammen. Die Liste „füttert“ hier also sozusagen den Blog – der wiederum übernimmt in diesem Fall die Funktion der Ergebnissicherung.</p>
<p><strong><em>&#8230;oder gut geplant</em></strong></p>
<p>Neben solchen spontanen Verknüpfungen gibt es aber inzwischen auch einige Beispiele, bei denen die Nutzer nicht nur kurzfristig auf die vielfältigen Verknüpfungsmöglichkeiten zurückgreifen, sondern diese auch ganz gezielt nutzen, um so die Grenzen einzelner Formate zu überwinden und die Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern. Solchen systematischen Format-Konstellationen gehen meist längere Diskussionen voraus, in denen die Nutzer ihre Unzufriedenheit über die Unzulänglichkeiten des aktuellen Formats äußern und in denen sie dann meist auch gemeinsam nach Auswegen suchen. Im Rahmen von sehr umfangreichen Blog-Kommunikationen (also Blogs, in denen die Kommentarfunktion regelmäßig für ausgiebige wissenschaftliche Diskussionen genutzt wird) wird häufig die mangelnde Übersichtlichkeit und schlechte Auffindbarkeit einzelner Beiträge beklagt, wie z.B. im Gruppenblog „<a href="http://golem.ph.utexas.edu/category/">The n-Category Café</a>“: „[...] a blog is not optimal for finding all that material. A blog is great for conversations, but we need something that&#8217;s more like an enormous collection of papers organized according to subject.“ (The n-Category Café, 2.09.07) Ein weiteres Beispiel stammt aus dem „<a href="http://gowers.wordpress.com/">Gowers Blog</a>“: „[...] a blog is perhaps the wrong format for this type of experiment (or future experiments). Its sequential format obviously presents difficulties in following/retrieving information.“ (Gowers Blog, 6.02.09).<br />
	In beiden Fällen haben sich die Nutzer nach einiger Diskussion dazu entschlossen, zusätzlich zum Blog ein Wiki einzurichten. Sämtliche Diskussionen werden zwar weiterhin im Blog geführt – wichtige Ergebnisse werden aber anschließend zusätzlich im Wiki gesichert und angemessen dokumentiert.</p>
<p><strong><em>Formate konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich</em></strong></p>
<p>Wir können hier also regelrecht eine funktionale Aufteilung zwischen den verschiedenen Formaten beobachten: Der Blog fungiert dabei als Hervorbringungsmechanismus, das Wiki dagegen als Ergebnissicherungs- instrument.<br />
	Was hier im zweiten Fall recht gezielt abläuft, konnten wir in ähnlicher Form aber auch schon im B-Greek-Beispiel beobachten – zwar noch nicht so ausgereift, aber die Ansätze sind auch dort schon erkennbar: Während die Mailingliste in diesem Fall die Rolle des Hervorbringungsmechanismus&#8217; übernimmt, wird dort der Blog für ausführlichere Darstellungen und zur Ergebnissicherung genutzt. </p>
<p><strong><em>Wohin soll das führen?</em></strong></p>
<p>Das ist eine Frage, die nur sehr schwer und mit aller Vorsicht zu beantworten ist. Vorstellbar ist so manches – vielleicht bleibt alles wie es ist, möglicherweise erkennen zukünftig aber auch noch mehr Wissenschaftler die Potenziale solcher Formatverknüpfungen und beginnen sie stärker strategisch und systematisch zu nutzen.  Eine Möglichkeit der systematischen Nutzung besteht darin, mehrere Formate unter ein Dach zu bringen. Diese Tendenz zur Bündelung von Formaten, die wir schon jetzt an einigen Stellen in der digitalen Wissenschaftskommunikation beobachten können, wird in Bezug auf Nachrichtenmedien als „Portalisierung“ bezeichnet. Vielleicht gibt es aber auch bald ein Superformat, das die Funktionen aller derzeitigen Formate in sich vereinigt?</p>
<p><strong>Anmerkung</strong><br />
Der Blog-Beitrag basiert auf einem Vortrag, den ich im Februar gemeinsam mit Gerd Fritz bei der Tagung „Mediengattungen: Ausdifferenzierung und Konvergenz“ (gemeinsame Tagung der Fachgruppe „Mediensprache und Mediendiskurse“ der DG PuK und der Sektion „Medienkommunikation“ der Gesellschaft für Angewandte Linguistik) gehalten habe. Gegenstand und Titel des Vortrags waren „Konstellationen und Konvergenzen von Formaten in der digitalen Wissenschaftskommunikation&#8221;. Sobald es eine publizierte Version des Vortrags gibt, werden wir selbstverständlich hier im Blog darauf hinweisen. </p>
<p>(Sie können den Beitrag auch als PDF-Version abrufen: <a href="http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/wp-content/uploads/2009/05/langenhorst_2009_formatverknuepfung.pdf"><img src="http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/wp-content/uploads/2009/03/pdf.png" alt="pdf" title="pdf" width="16" height="16" class="alignnone size-full wp-image-53" /></a>)</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong><br />
Langenhorst, Anita: Ein Format kommt selten allein – Formatverknüpfungen in der digitalen Wissenschaftskommunikation. In: TP IV-Blog. Gepostet am: 13.05.2009. URL: http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/05/formate/.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>„Boy am I glad I discovered this discussion!“ - Das geheime Qualitätsmanagement in Mailinglists und Blog-Diskussionen</title>
		<link>http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/03/qualitaet/</link>
		<comments>http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/03/qualitaet/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 13:54:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerd Fritz</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Qualitätsmanagement]]></category>

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		<description><![CDATA[
Qualitätsmanagement in der digitalen wissenschaftlichen Kommunikation ist ein großes Thema – zu Recht. Wenn man darüber nachdenkt, denkt man zuerst an explizite, institutionalisierte Verfahren wie die Bewertung von publizierten wissenschaftlichen Arbeiten in Online-Rezensionen oder die Diskussion von Preprints im Open-Access Peer-Review-Verfahren. Oder wir denken an die explizite Qualitätsbewertung von wissenschaftlichen Thesen oder Auffassungen in Online-Kontroversen. [...]]]></description>
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<p class="MsoNormal">Qualitätsmanagement in der digitalen wissenschaftlichen Kommunikation ist ein großes Thema – zu Recht. Wenn man darüber nachdenkt, denkt man zuerst an explizite, institutionalisierte Verfahren wie die Bewertung von publizierten wissenschaftlichen Arbeiten in Online-Rezensionen oder die Diskussion von Preprints im Open-Access Peer-Review-Verfahren. Oder wir denken an die explizite Qualitätsbewertung von wissenschaftlichen Thesen oder Auffassungen in Online-Kontroversen. Zu diesen wichtigen Aspekten des Qualitätsmanagements werden wir in zukünftigen Blogs Beobachtungen und Überlegungen beisteuern.</p>
<p class="MsoNormal">Heute interessiert uns etwas Anderes: Es gibt unauffällige, aber ungeheuer wirksame Verfahren des Qualitätsmanagements, die implizit und meist unreflektiert angewendet werden und die man oft erst bei genauerem Hinsehen wahrnimmt. Am Beispiel von Dialogverläufen (Threads) in Mailinglists und Blogs wollen wir ein paar derartige Verfahren zeigen.<span id="more-14"></span></p>
<p class="MsoNormal"><em><strong>Die Ausgangsbeobachtung</strong></em></p>
<p class="MsoNormal">Die Ausgangsbeobachtung besteht darin, dass es dann und wann „ sehr gute Threads“ gibt. Das erkennen wir als Leser oder Beteiligte selbst, wenn wir etwas von der Sache verstehen, oder wir sehen es an den Reaktionen der Beteiligten, z.B. „Boy am I glad I discovered this discussion!“ <span lang="EN-GB">(<a href="http://golem.ph.utexas.edu/category/">The n-Category Café</a>, 03.08.08) oder „Some important basic issues of description coming up in this interesting discussion.” </span>(<a href="http://listserv.linguistlist.org/archives/rstlist.html">RST Discussion List</a> 23.08.08). Umgekehrt gibt es Fälle, bei denen ein Thread kommentarlos abbricht oder einzelne Beteiligte sich unzufrieden abwenden.</p>
<p class="MsoNormal"><em><strong>Was macht einen guten Thread aus?</strong></em></p>
<p class="MsoNormal">Aus der Sicht der aktiv Beteiligten, aber auch der stillen Zuschauer („Lurker“) scheinen folgende Kriterien eine Rolle zu spielen: Der Thread ist anregend, behandelt ein attraktives Thema, bringt neue Gesichtspunkte, bringt Relevantes, weitet den Horizont, beantwortet Fragen, die man sich (schon immer) gestellt hat, verläuft „irgendwie geordnet“, ist im Ton pfiffig aber nicht zu bissig, hat einen gewissen Unterhaltungswert.</p>
<p class="MsoNormal"><strong><em>Wie arbeitet man an der Qualität eines Threads?</em></strong></p>
<p class="MsoNormal">Hohe Qualität entsteht wie von selbst, aber nur „<em>wie</em> von selbst“, denn es wird an ihr gearbeitet, und zwar mit Methoden, die man ziemlich gut beschreiben kann. Aber mit welchem Ziel wird hier gearbeitet? Es scheint so zu sein, dass jeder Beteiligte seine eigenen Interessen verfolgt und nicht etwa das Interesse, einen guten Thread zu produzieren. Solche eigenen Interessen sind etwa: Der Teilnehmer möchte auf eine ihm interessant erscheinende Frage eine Antwort haben <span style="text-decoration: underline;">oder</span> er möchte zeigen, wie clever und kenntnisreich er ist <span style="text-decoration: underline;">oder</span> er möchte einem prominenten Kollegen ein Ergebnis seiner neuesten Forschungen mitteilen.</p>
<p class="MsoNormal">Die Methoden, die die Teilnehmer anwenden, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen und mit denen sie – ohne unmittelbare Absicht – gute Threads produzieren, kennen wir alle aus Alltagsgesprächen, sie werden in der digitalen Wissenschaftskommunikation aber oft besonders differenziert und systematisch angewendet. Einige Prinzipien, die die Teilnehmer dabei instinktiv befolgen, könnte man folgendermaßen formulieren:</p>
<ol>
<li>Poste zu Themen, die Dich selbst interessieren, die du für aktuell und wichtig hältst.</li>
<li>Reagiere auf Fragen und Behauptungen dann, wenn Du etwas von der Sache verstehst.</li>
<li>Reagiere nur auf gute, d.h. interessante, begründete, kenntnisreiche Postings.</li>
<li>Reagiere auf die Postings von guten Leuten.</li>
<li>Gehe genau auf die vorausgehenden Postings ein.</li>
<li>Bleibe beim Thema.</li>
<li>Wenn Du glaubst, dass die Dich interessierende Frage nur so sinnvoll bearbeitet werden kann, erweitere oder verändere das Thema.</li>
<li>Mache Züge, von denen Du annimmst, dass sie die Diskussion in Deinem Sinne voranbringen, z.B. gut begründete Einwände und Aufforderungen zur Klärung.</li>
<li>Schreibe so dass Du gut verstanden wirst – klar, explizit und kurz.</li>
<li>Schreibe so, dass die anderen Teilnehmer gerne mit Dir Postings wechseln.</li>
</ol>
<p>Diese Prinzipien sind im Wesentlichen Prinzipien des Eigeninteresses. Man soll das schreiben, wovon man annimmt, dass es den eigenen Interessen im Thread dient. Wenn sich aber viele Teilnehmer an solche Prinzipien halten, kann das erstaunliche Wirkungen erzielen. Das kann man an vielen Aspekten von Threads zeigen, z.B. an der kreativen Themenentwicklung (Themengenerierung) und der erfolgreichen Diskussionsführung. Wir wollen heute nur kurz etwas zur kreativen Themenentwicklung sagen.</p>
<p class="MsoNormal"><strong><em>Kreative Themenentwicklung</em></strong></p>
<p class="MsoNormal">Zu den wunderbaren Ergebnissen der Zusammenarbeit in einem Thread gehört es, wenn sich ein interessantes Thema herauskristallisiert, wenn ein neues Thema entdeckt oder eine latent vorhandene wichtige Frage aktualisiert wird. Hier spielt die Befolgung der themenorientierten Prinzipien (1), (6) und (7) eine prominente Rolle – daneben sicherlich auch die anderen. Wenn beispielsweise lauter gute Leute einen bestimmten Themenbereich für aktuell und interessant halten, ist die Chance gut, dass sie gemeinsam aus diesem Bereich ein aktuelles und interessantes Thema erzeugen. Das geht oft schrittweise und ohne dass immer klar ist, welcher Teilnehmer eigentlich die entscheidenden Schritte getan hat. Damit das funktioniert, müssen gleichzeitig ein restriktives Prinzip wie (6) und ein „öffnendes“ Prinzip wie (7) befolgt werden. Wie kann das gehen, wo doch die die beiden Prinzipien bei der Befolgung miteinander konkurrieren? Nun, man muss sie mit Feingefühl gegeneinander austarieren. Brave Sicherung der thematischen Kohärenz ist gut, aber wenn man Seitenzweige abwürgt, tötet man vielleicht gerade das kreative neue Thema. Der erfolgreiche Thread zeichnet sich dadurch aus, dass da einige Leute am Werk sind, die diese Filigranarbeit beherrschen. </p>
<p class="MsoNormal"><strong><em>Garantie für hohe Qualität?</em></strong></p>
<p class="MsoNormal">Die beschriebenen Methoden sind sehr effizient. Aber: Garantieren diese Methoden denn hohe Qualität? Die Antwort ist: Nein, es gibt keine Garantie für hohe Qualität – auch außerhalb des Internets – wie man wohl weiß. Haben Zeitschriftenaufsätze, Tagungsbeiträge und Kollegendiskussionen immer hohes Niveau? Auch hier ist die Antwort: Nein. Man kann daran arbeiten – nach den genannten Prinzipien –, aber letztlich ist hohe Qualität, insbesondere Kreativität, immer auch ein Glücksfall. Wie bei vielen Spielen gilt auch für dieses wissenschaftliche Kommunikationsspiel: Man muss gute Spieler anziehen und sie dazu motivieren, lustvoll mitzuspielen. Und wenn es gut geht, kann man sagen: „Boy am I glad I discovered this discussion!“</p>
<p class="MsoNormal">PS: Die Sache mit dem Eigennutz ist ja schön und gut. Aber Sie haben sicherlich gemerkt, dass unter den Prinzipien auch ein hochmoralisches ist, nämlich Prinzip (10), das nahe verwandt ist mit der sog. &#8220;golden rule&#8221;, Leibnizens Prinzip, dass man die Perspektive des Gegenübers einnehmen sollte (&#8221;la place d&#8217;autruy&#8221;), und dem Grundprinzip der Kantischen Ethik. Da ist man in bester Gesellschaft.</p>
<p class="MsoNormal">(Sie können den Beitrag auch als PDF-Version abrufen: <a href="http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/wp-content/uploads/2009/03/fritz_2009_qualitaetsmanagement.pdf"><img class="size-full wp-image-53 alignnone" title="pdf" src="http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/wp-content/uploads/2009/03/pdf.png" alt="pdf" width="16" height="16" /></a> )</p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: left;"><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong> Fritz, Gerd: „Boy am I glad I discovered this discussion!“ - Das geheime Qualitätsmanagement in Mailinglists und Blog-Diskussionen. In: TP IV-Blog. Gepostet am: 02.03.2009.</br><br />
URL: http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2009/03/qualitaet/.</p>
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		<title>Blog-Beiträge aus TP IV</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jan 2009 11:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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Ab sofort werden wir hier in unregelmäßigen Abständen Blog-Beiträge zu interessanten Fragen aus unserem Projektbereich schreiben. 

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<p class="MsoNormal">Ab sofort werden wir hier in unregelmäßigen Abständen Blog-Beiträge zu interessanten Fragen aus unserem Projektbereich schreiben. </p>
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