Ein toller Fund

Gerd Fritz schrieb am 13. Januar 2011 um 13:20 Uhr:

Beginne einen Blogpost damit, dass du deinen Lesern einen aktuellen, attraktiven Fund mitteilst, am besten aus den Medien, der Presse, dem Fernsehen oder dem Internet! Das ist ein guter Tipp. Beispielsweise eröffnet Mark Liberman im Language Log vom 12.01.2011 seinen Post zum Thema „Language skills and the law“ mit einem Hinweis auf einen aktuellen Zeitungsbericht über die Lage eines taubstummen Angeklagten vor Gericht. Gefühlte 66,6% der Posts in diesem Blog beginnen mit derartigen Funden.

Funde haben etwas Erfreuliches, wenn man unerwartet, durch Zufall auf etwas Interessantes stößt. Suchen ist Arbeit, Finden ist Glück. (Natürlich gibt es auch „grausige Funde“, bei Google über 100.000 Hits. Aber über die wollen wir nicht reden.) Gerade auch Wissenschaftler freuen sich über Funde und teilen sie gerne Freunden und Kollegen mit. Nicht umsonst gibt es eine Mathematiker-Online-Kolumne mit dem Namen „This Week‘s Finds“. Und schon vor hundert Jahren gab es in wissenschaftlichen Zeitschriften den Beitragstyp „Miszellen“ oder „Kleine Beiträge“, in denen kleine Entdeckungen mitgeteilt werden konnten, die für einen richtigen Aufsatz zu unbedeutend, aber zu schade zum Wegwerfen waren. Also entspricht diese Praxis in (wissenschaftlichen) Blogs offensichtlich einem tiefen Bedürfnis von Wissenschaftlern.

Ja, und jetzt kommt mein toller Fund, diesmal aus dem alten Gutenbergmedium. Ich habe ihn unter dem Weihnachtsbaum gefunden, also nicht ganz zufällig: Hans Magnus Enzensbergers neues „Album“, 2011 erschienen, aber 2010 schon unterm Weihnachtsbaum. Das „Album“ ist selbst eine Fundsammlung, eine Art Fundbüro für wunderbare kleine Texte und Abbildungen unterschiedlichster Herkunft, viele von Enzensberger selbst, andere von bekannten und (mir) unbekannten Verfassern oder Herstellern, in überraschenden und die Phantasie und das Nachdenken anregenden Konstellationen. Beispielsweise so schöne kleine Schnipsel wie „Politik ist kein Vergnügen, hat wenig damit zu tun, wie man Vorräte sammelt, sich wärmt, sich bildet oder zu Frauen kommt“ (Niklas Luhmann). Oder Lenins Lieblingslied (mit Noten, in f-Moll). Ein „Sammelsurium“, eine „ragbag“, ein „scrapbook“, eine „Wundertüte“. So der Herausgeber und Autor selbst. Und es fängt auch gleich mit einem reflexiven Fund über Funde an: „So wie die Elster mit allem, was sie findet, und sei es noch so unscheinbar, ihr Nest schmückt. Dabei holt sie gerne, was glitzert hervor. Ob Straß oder Diamant, ist ihr ziemlich gleichgültig.“ Und von dort geht’s gleich weiter zur Elsternfarbe im Parzivalprolog. Da freuen sich die Germanisten. – Aus jedem Fund könnte man einen Blogpost machen. Muss aber nicht sein. Hat noch jemand einen schönen, glitzernden Fund?

Empfohlene Zitierweise:

Fritz, Gerd: Ein toller Fund. In: TP IV-Blog. Gepostet am: 13.01.2011. URL: http://tp4blog.wissenschaftskommunikation.info/2011/01/ein-toller-fund/.

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